Sven van Thom

Biographie

Sven van Thom ist Musiker, Musikproduzent und Komödiant. 2020 zog er von Berlin in den Taunus, in Hessen. Neben seiner Solo-Karriere ist er als der musikalische Teil der Actionlesung „Tiere streicheln Menschen“ in der Republik unterwegs. Van Thoms Markenzeichen sind eine große musikalische Vielfalt und Texte in Deutscher Sprache, die gekonnt zwischen Melancholie und irrer Albernheit changieren. Sven van Thom ist seit einigen Jahren mit unterschiedlichen Formaten auf radioeins (RBB) zu hören und hat neben seinen vier regulären Solo-Alben auch die Radiokolumnen-Trilogie „Pudding mit Frisur“ und zwei Kinderlieder-CDs veröffentlicht, „Tanz den Spatz – Kinderlieder“ (2018) und „Spuckepack – neue Kinderlieder“ (2021). „Tanz den Spatz“ erschien zudem auch als Tonie-Figur für die Tonie-Box.

„Spuckepack – Neue Kinderlieder“ (2021)

Mit seinem zweiten Album auf dem Gebiet der popmusikalischen Familienunterhaltung setzt Sven van Thom das fort, was drei Jahre zuvor mit „Tanz den Spatz“ begann. Im Mittelpunkt stehen seine unterhaltsamen Texte, die sich an ein Publikum ab ca. 5 Jahren wenden – mal kokett („Mama einpacken“), mal melancholisch („Wenn wir nochmal in Urlaub fahren“), mal lustig nörgelnd („Angeberwasser“). Vom Indie-Rock, über Italowestern-Gitarren, bis hin zu Hip-Hop und Melodien, die an 60 Jahre alte Schlager erinnern, hat diese CD eine nahezu unerschöpfliche Bandbreite an musikalischen Stilen zu bieten. Seit 2023 bringt van Thom sein Kinderlieder-Liveprogramm „Spuckespatz“ gemeinsam mit seinem Musikerkollegen Dominik Merscheid im Duo auf die Bühne. Mit Gitarren, Bass, Drum-Loops und Drum-Synthesizer, Ukulele und skurrilen Instrumenten wie Omnichord und Theremin ausgestattet, interpretieren die zwei Enthusiasten Svens Lieder so, als hätte das Publikum eine ausgewachsene Rockband vor sich. Ob aus der Konserve oder live – bei Sven van Thom ist Abwechslung Trumpf. Und alle haben was zu lachen: die Kleinen und die Großen.

„Liebe & Depression“ (2021)

Auf seinem aktuellen (Konzept-)Album fürs erwachsene Publikum, „Liebe & Depression“ (VÖ: 05.02.2021 bei LOOB / ALIVE), widmet sich Sven van Thom den zwei großen Themen, die ihn schon seit Jahrzehnten begleiten, mit einer in seinem Schaffen bisher ungekannten Konsequenz und Ernsthaftigkeit. Die gewitzten Pointen stellen hier eher eine Ausnahme dar, während vor allem der Depression viel Raum gegeben wird, sich von allen Seiten zu präsentieren.

Das Album beginnt mit zartem, von Streichern untermaltem Folk und einem Text, der die verstörende Unverbindlichkeit in Zeiten von Dating-Apps auf dem Punkt bringt: „Verlieb Dich bloß nicht in mich“. Doch schon der zweite Track, „Dass es knallt“ lässt erahnen, dass man sich in den nächsten 40 Minuten musikalisch auf einiges gefasst machen muss: Das Duett mit Sängerin Larissa Pesch pendelt gekonnt zwischen Loop-basiertem, düsterem Indiepop und synthetischem Trap-Inferno. „Darüber kann ich nicht lachen“ läutet mit meditativem Electro-Beat und schwebenden Gitarren das Ende des Zeitalters der Ironie ein und widmet sich im Text dem Verlust der Leichtigkeit, wenn rechtes oder verschwörungstheoretisches Gedankengut lautstark durch die sozialen Medien und den öffentlichen Diskurs poltert.

Die vier darauffolgenden Songs fokussieren das Thema Liebe in all seinen Licht- und Schattenseiten. Von der hoffnungsvollen Sehnsucht („Heut werde ich Dich wiedersehen“) geht es über in den Moment der romantischen Erfüllung („Die ganze Zeit“), gefolgt von der teils wütenden Analyse, woran eine vergangene Beziehung gescheitert sein könnte („Selten“, inklusive Theremin-Solo), gipfelnd in dem fragilen Coversong „Ich bin nicht die, die weint“ – ein Stück von der zu Unrecht noch nahezu unbekannten Songwriterin Ina Simone Mautz, mit der van Thom auch schon auf einigen seiner früheren Alben zusammenarbeitete.

Die erste Single-Auskopplung, „Danke, gut“ widmet sich dem Überspielen der eigenen Seelen-Schieflage und besticht nicht nur durch einen Rhythmus, der an die Rock-Giganten Pink Floyd erinnert, sondern auch durch ein rasantes Video, für das Sven Freunde und Fans bat, sich selbst zu filmen, während sie sich im Kreis drehen und den Text in die Kamera singen. „Wie erwartet“ beschreibt im sanften Folkgitarren-Mantel die Freudlosigkeit einer Person, die es sich in ihrem Alltag (un-)gemütlich gemacht hat.

Das folgende „OK“ ist das offensichtliche Alien dieses Albums. Was anfangs wirkt wie eine süßliche Fingerübung auf dem absonderlichen Musikinstrument Omnichord, steigert sich im Laufe des Tracks zu einem bombastischen Psychedelic-Rock-Monster und erinnert nicht nur zufällig abermals an Pink Floyd in den 1970er Jahren. Die Musik fungiert jedoch nur als Klangteppich für die Schnipsel eines Interviews, das van Thom mit seinem Singer-Songwriter-Kollegen Kai-Olaf Stehrenberg führte. Dieser erzählt aus erster Hand von seinen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen und gibt dem Thema Depression nicht nur eine Bühne sondern auch einen Anstrich von Alltäglichkeit.

Während der vorletzte Track, „Gute Nacht“ mit Neil Youngscher Schluffigkeit zum Liegenbleiben einlädt, handelt das finale „Sie ist immer noch hier“ von der Verwunderung darüber, dass es, trotz der vermeintlichen Defizite des Protagonisten, eine Person gibt, die dennoch bei ihm bleibt. Kein klassisches Liebeslied, aber gerade deshalb das vielleicht schönste auf dieser Platte.

„Tanz den Spatz – Kinderlieder“ (2018)

Im Herbst 2017 erschien auf dem Kinderlieder-Sampler „Unter meinem Bett 3“ Svens Lied „Mein neuer Bruder“. Die Idee, ein komplettes Kinderlieder-Album zu schreiben und aufzunehmen, trug van Thom bereits seit einigen Jahren mit sich herum. Umso erfreuter war er also, als ihn der Oetinger-Verlag mit der Produktion eines solchen Albums beauftragte. Anfang 2018 entstanden 13 Kinderlieder – von witzig bis verschlafen – von galoppierendem Retro-Pop, über Rock und Singer/Songwriter-Balladen bis zum Hip-Hop gibt es alles zu hören, was eine gelungene van Thom-Platte ausmacht. Svens oberste Prämisse war es, ein Album zu schaffen, das nicht nur Kindern gefällt, sondern das auch deren Eltern gern mit anhören – eine Pop-Platte voller Kinderthemen mit einer relativ erwachsenen Sprache – so wie Unter meinem Bett-Fans es von den beliebten Compilations gewohnt sind. Die CD „Tanz den Spatz – Kinderlieder“ erschien im September 2018 und gewann den Medienpreis „Leopold 2019“, der vom Verband Deutscher Musikschulen vergeben wird. Das Lied „Mein neuer Bruder“ gewann bereits 2018 den Jurypreis der „Christiane Weber Stiftung – Stiftung zur Förderung von Kindermusik“.

„Pudding mit Frisur“ (2016 – 2019)

Jede Woche ein neues Lied zum aktuellen Zeitgeschehen für seine Radiokolumne „Pudding mit Frisur“ – das war die Aufgabe, der sich Sven van Thom von Mai 2016 bis zum Sommer 2018 widmete. Für die Sendung „RadioZwei“ auf dem Potsdamer Sender radioeins schrieb und produzierte er über 80 Songs, zwischen Gitarren- oder Electro-Pop, Folk, Hip Hop, Funk, Punk und 60s-Beat.

Im Januar 2017 erschien mit der CD „Pudding mit Frisur, Teil 1“ die erste Sammlung dieser Radio-Songs, die von Mai bis Dezember 2016 von radioeins in Auftrag gegeben und dort uraufgeführt worden waren. Donald Trump, Torten in Gesichtern von Sarah Wagenknecht und Thilo Sarrazin, Olympische Spiele, Jogi Löws Hand im Schritt bei der Fussball-EM, Vogelgrippe, verstorbene Helden wie Bud Spencer und Muhammad Ali… Wenn man sich die 27 Tracks auf diesem Album aufmerksam anhört, hat man einen ganz guten Überblick über die Schlagzeilen, die uns im Jahr 2016 umgetrieben, erschüttert oder einfach nur unterhalten haben. „Pudding mit Frisur, Teil 2“ erschien als Doppel-CD im Februar 2018 und enthält alle 40 Beiträge aus dem Jahr 2017. Mit “Pudding mit Frisur, Teil 3“ schloss van Thom die CD-Reihe im Jahr 2019 ab.

Kindheit

Sven Rathke, so van Thoms bürgerlicher Name, wurde 1977 in Bernau bei Berlin geboren und wuchs in dem Brandenburgischen Dorf Stolzenhagen, in der Nähe von Berlin auf. Seine Liebe zur Musik entdeckte Sven bereits im Vorschulalter. Er verbrachte Nachmittage damit, gemeinsam mit seinem Großvater Kurt, Lieder aus dem Radio auf Tonbandgeräten mitzuschneiden und laut mitzusingen.
Im Alter von sieben Jahren nahm er eine Stunde Blockflötenunterricht, stellte sich dabei jedoch so talentfrei an, dass sowohl er selbst als auch die Lehrerin entnervt aufgaben. Auch beim Akkordeonunterricht, wenige Jahre später, war er keine Leuchte und durfte als Einziger nicht mit zu den Auftritten der Akkordeongruppe fahren. Mit 14 kaufte er sich ein Keyboard und fing an, Raptexte und Schlagerparodien zu schreiben und auf Kassetten aufzunehmen, die er an Freunde auf dem Schulhof verteilte. Mit 16 kaufte Sven seine erste Gitarre für den Preis von DM 5,- und einer Packung Raffaello.

Werdegang (2001 – 2015)

Vor seiner Solokarriere spielte und sang Sven in den Bands Sofaplanet und Beatplanet. Sofaplanet hatten im Jahr 2001 einen Top-10-Hit mit dem Lied „Liebficken“ in Deutschland und Österreich. Die Band veröffentlichte offiziell zwei Alben: „Sternzahl unendlich“ (2001 auf X-Cell Records/Sony) und „Power to the Poeble“ (2004 auf Wannsee Records). Beatplanet nahm 2007 unter anderem an der Pro7-Sendung BundesVision Song Contest teil, belegte mit dem Song „Dreh Dich um und geh“ jedoch nur einen vorletzten Platz. Auch von Beatplanet, die eine verspulte Version von DDR-Beatmusik spielten und sich musikalisch an Künstlern wie Manfred Kurg, Theo Schumann und den Beatles orientierten, erschienen zwei Alben: „Wer beatet mehr?“ (2006) und „Komm an Board“ (2007 auf Brigade Mondaine).

2008 erschien mit „Phantomschmerz“ das erste Sven van Thom-Album bei Starwatch/Warner. Die beiden Singles „Trauriges Mädchen“ und „Schatz halt’s Maul“ erlangten durch eine ausgedehnte TV-Präsenz eine gewisse Bekanntheit und erreichten Platz 28 und 29 der deutschen Verkaufscharts. Mit „Jaqueline (Ich hab Berlin gekauft)“ nahm Sven 2009 abermals am BundesVision Song Contest teil und belegte für Brandenburg den neunten Platz.

Sven van Thom trennte sich von seinem Produzententeam Elephant Music und begann mehr und mehr seine Musik im Alleingang zu produzieren. 2012 erschien sein zweites Album „Ach!“ bei Roof Music, gefolgt von „So geht gute Laune“ (2015 bei Loob) . Auf der Website Bandcamp.com veröffentlichte van Thom außerdem das 10-Track-Album „Die dunkle Seite des hellen Wahnsinns“ und zahlreiche weitere Lieder, die aus der Zeit von „So geht gute Laune“ noch übrig geblieben waren.

Tiere streicheln Menschen“

Seit über 15 Jahren ist Sven van Thom mit seinem Bühnenpartner Martin Gotti Gottschild als Tiere streicheln Menschen in Clubs, Theatern und im Radio und TV unterwegs. Von 2014 bis 2016 lief die wöchentliche Radiorubrik Tiere streicheln Menschen bei radioeins vom RBB. Im Mai 2016 startete zur selben Sendezeit das Format RadioZwei, moderiert von Gotti und Thomas Wosch. Für diese Sendung steuert Sven van Thom seine Kolumne „Pudding mit Frisur“ bei. Ende 2019 wurde Tiere streicheln Menschen wieder ins radioeins-Programm aufgenommen und ist derzeit jeden Dienstag und Freitag im Tagesprogramm zu hören. 2023 verabschiedeten sich Tiere streicheln Menschen für ein Jahr von der Bühne, um Gottsis Kurzfilmprojekt mit dem Arbeitstitel „TRAM“ voranzutreiben, eine Hommage an den Spaghettiwestern der 1960er und ’70er Jahre, für welches Sven den Soundtrack beisteuert.

„Sandmann für Erwachsene“

2019 wurde Martin Gottschild vom RBB beauftragt, alte Folgen des Sandmännchens komödiantisch zu vertonen. In zahlreichen Episoden tritt auch Sven van Thom als Synchronsprecher in Erscheinung oder steuerte Musik bei. Für einigen Folgen war er auch als Co-Drehbuchautor tätig.